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Der Begriff Manipulation (latein. Zusammensetzung aus manus ‚Hand‘ und plere ‚füllen‘; wörtlich ‚eine Handvoll (haben), etwas in der Hand haben‘, übertragen: Handgriff, Kunstgriff) bedeutet im eigentlichen Sinne „Handhabung“ und wird in der Technik auch so verwendet. Darüber hinaus ist Manipulation auch ein Begriff aus der Psychologie, Soziologie und Politik und bedeutet die gezielte und verdeckte Einflussnahme, also sämtliche Prozesse, welche auf eine Steuerung des Erlebens und Verhaltens von Einzelnen und Gruppen zielen und diesen verborgen bleiben sollen (Camouflage, Propaganda). Abzugrenzen sind der Vorgang der Manipulation und seine Alltagserscheinungen von der psychologischen Methode der Experimentellen Manipulation. In seiner ursprünglichen Bedeutung „Handgriff“ steht Manipulation in der manuellen Medizin für eine Reihe von mit der Hand durchgeführten Techniken, die dem Lösen einer Blockierung dienen.

Begriffsentwicklung


Mit Manipulation einer Sache bezeichnet man ganz wertneutral deren Handhabung und ggf. Bearbeitung. So verweist der Brockhaus von 1809 beim Stichwort Manipulation lediglich auf den Magnetismus.1 Etwa 100 Jahre später beschreibt Meyers Konversationslexikon eine Manipulation als kunstgerechte[n] Gebrauch der Hände; dann allgemein soviel wie Geschäftskniff.2 Die Krünitz-Enzyklopädie gibt dem Begriff einen größeren Raum, beschränkt sich aber auch fast ausschließlich auf den handgrifflichen Aspekt:
1985 heißt es in Knaurs Wörterbuch dann, Manipulation sei entweder ein Gerät etc. geschickt handhaben oder auch etwas oder jemanden in die gewünschte Richtung lenken; beeinflussen; steuern.4

Manipulation von Menschen


Von Manipulation eines Menschen spricht man dann, wenn die Annahme eines Identifikationsangebots oder einer Ware und Dienstleistung nicht zu seinem Vorteil, sondern zu seinem Nachteil führt. Von unsittlicher Manipulation spricht man, wenn der Versuch zu überreden oder überzeugen bei den Beeinflussten ökonomischen und/oder sittlichen Schaden verursacht.
Wer Unterlegenheitsgefühle, mangelndes Selbstvertrauen oder Angst hat, lässt sich leichter täuschen, ist leicht manipulierbar. Die Manipulation von Menschen verfolgt Ziele und dient dazu, andere Menschen hinsichtlich ihres Verhaltens zu beeinflussen. Der Begriff der Manipulation ist in diesem Kontext negativ besetzt. Wird ein positives Ergebnis angestrebt oder erreicht, handelt es sich um Kommunikation zur Überredung oder Überzeugung. Manipulierte Menschen handeln nicht aus eigenen Einsichten oder Überzeugungen, sondern fremdbestimmt. Die angestrebte Lenkung durch gezielte Beeinflussung von außen erzeugt beim Erkennen zumeist negative Emotionen, da der Manipulierte zur bloßen Marionette des Manipulierenden gemacht wird und nur nach dessen Vorstellungen reagieren soll. Manipulation kann in der Kommunikation auch über die Sprache ausgeübt werden, zum Beispiel durch die Fragetechnik.
Als Mind-Security kann die organisierte Vorbeugung von Menschen oder Organisationen gegenüber Manipulation bezeichnet werden. Auch Aufklärung und Emanzipation sind gegen verschiedene Arten von Manipulation gerichtet. Spricht man von einer gewollten Veränderung auch seitens der Zielperson, wird eher von Lernen oder Entwicklung gesprochen (Edukation). In der Informationssicherheit wird die Manipulation von Menschen zum Zweck der unerlaubten Gewinnung von Informationen auch unter dem Begriff Social Engineering diskutiert.

Alltägliches Beeinflussen


Mitunter wird die These vertreten (unter anderem im Neuro-Linguistischen Programmieren), dass Menschen einander manipulierten, sobald sie miteinander kommunizieren. Es gibt verschiedene Ausprägungen in Form und Stärke. Die minimale Manipulation bestehe bereits darin, den anderen zum Zuhören zu bewegen. Dies gilt somit nicht nur für zielgerichtete Kommunikation, sondern auch für einfache Unterhaltungen. Jeder manipuliere somit jederzeit jeden Anderen, mit dem er zu tun hat (vergleiche auch Walther G. Pinecoke). Auch im einfachen Kommunikationsmodell hat der Sender eine Absicht, die er erreichen oder durchsetzen will. Selbst der augenscheinlich Manipulierte sorge eigentlich erst mit seiner Haltung dafür, dass der Manipulierende sich so verhält. Er manipuliere in diesem Sinne den eigentlich (objektiv / subjektiv) als aktiv gesehenen Manipulator (devot / dominant). Wer Manipulation zulasse, gestalte sie anders.
Manipulation wäre also eine alltägliche Vorgehensweise und stelle lediglich Beeinflussung dar und sei demnach nicht negativ zu bewerten. Erst der Zweck und die Eindringlichkeit der Manipulation, zum Beispiel in Form einer Botschaft der Konsumwerbung, könne eine Wertung ermöglichen. Der Soziologe Herbert Marcuse war einer der schärfsten Kritiker von Werbemanipulation, die seiner Ansicht nach den Menschen völlig eindimensional auf Konsumverhalten hin konditioniert.
Wie schwer sich im Alltag kommunikative Praktiken zur Beeinflussung der bewussten Entscheidung (Überzeugung) und kommunikative Praktiken zur Ausnutzung von Willensschwäche oder eingeschränkter Entscheidungsfähigkeit abgrenzen lassen, wird besonders deutlich im stationären Einzelhandel. Fast jeder Handelsbetrieb setzt eine Fülle von psychostrategischen und -taktischen Maßnahmen ein, die beim Kunden zumindest Interesse wecken, möglichst jedoch eine Kaufentscheidung auslösen sollen, gleichgültig, ob sie bewusst wahrgenommen werden oder unbewusst wirken. Sie können auf sämtliche Sinnesorgane gerichtet sein. Die Handelspsychologie sichtet und ordnet die Vielfalt der Beeinflussungsmöglichkeiten. Sie reichen von Sortiment, Personalverhalten und Ladenatmosphäre über Wegelenkung der Kunden, Bodenbelag, Platzierung, Regalfüllung oder Preisoptik bis hin zu Hintergrundmusik, Duftnoten oder Degustationen. Werden etwa im Supermarkt Süßigkeiten und Spielwaren in der Regal-Bückzone (der Blick- und Griffzone der Kinder) oder in der Kassenzone („Quengelware“) platziert, wird leicht der Vorwurf der Manipulation laut. Denselben Kritikern ist meist nicht bewusst, dass Deckenhänger, Regalstopper, bewusst eingebaute Grifflücken im Regal und tausend andere Maßnahmen ebenso beeinflussen wollen. Von schädlicher, unlauterer Manipulation kann jedoch nur dann gesprochen werden, wenn im Einzelfall der Wille eines Kunden ausgeschaltet wird oder wenn Kunden zum Kauf veranlasst werden, die selbst keine freie Willensentscheidung treffen können (Kinder, geistig Behinderte, demente Menschen). Weder gereicht dem mündigen Kunden, der – angeregt durch auffällige Platzierung – spontan einen Reisewecker kauft, sein Spontankauf zum Nachteil noch ist seine Kaufentscheidung irrational.
Befürworter manipulativer Praktiken – zum Beispiel aus den Bereichen Vertrieb, Werbung und Propaganda – halten den Vorwurf von Unfairness und die Gefahr von Machtmissbrauch für vernachlässigbar. Es sei ein Vorurteil, gegen das die Manipulation zu kämpfen hat. Manipulation sei ein natürliches menschliches Verhalten.

Problematik


Demgegenüber wird eingewendet, dass die Wahl der Mittel für eine Wertung bedeutsam ist. Eine Manipulation, die auf gezielter Täuschung beruht, sei problematisch. Im negativen Sinn bedeutet Manipulation zum Beispiel die Verminderung der Handlungsfreiheit beziehungsweise Kontrolle des Opfers beziehungsweise seitens des Täters eine Wahl unfairer, intransparenter oder täuschender Mittel, welche eine Gegenwehr erschweren. Oft wird negativ von Manipulation gesprochen, sobald sich jemand als Opfer einer Manipulation betrachtet.
Aufgeklärtheit und Unmündigkeit stehen in Bezug auf die Manipulierbarkeit in einem Kontrast zueinander. Die alltägliche Anwendung von Manipulation unterscheidet sich dabei nicht sehr von Formen professioneller Beeinflussung von Menschen. Letztere birgt jedoch die Gefahr von Machtmissbrauch.
Häufig ist manipulatives Verhalten Teil von Persönlichkeitsstörungen.

Zitate


Siehe auch



  • Ablenkungsmanöver
  • Argument
  • Argumentum ad hominem
  • Beeinflussung
  • Betrug
  • Biomanipulation
  • Datenmanipulation
  • Definitionsmacht
  • Dialektik
  • Fälschung
  • Fake
  • Fotomanipulation
  • Dekonstruktion
  • Demagogie
  • Desinformation
  • Dissoziale Persönlichkeitsstörung
  • Domestizierung
  • Dressur
  • Eristik
  • Erlernte Hilflosigkeit
  • Falschmeldung
  • Fear, Uncertainty and Doubt
  • Gaslighting
  • Geplante Obsoleszenz
  • Gruppenzwang
  • Hoax
  • Hochstapler
  • Hypnose
  • Hypnotische Trance
  • Indoktrination
  • Ideologie
  • Informationskontrolle
  • Informationsmonopol
  • Instrumentelle und operante Konditionierung
  • Irrationalismus
  • Klassische Konditionierung
  • Induced compliance
  • Lüge
  • Lügenpresse
  • Marktmanipulation
  • Medienmanipulation
  • Meinungsfreiheit
  • Perspektivismus
  • Persuasive Kommunikation
  • Plagiat
  • Pluralis Majestatis
  • Polemik
  • Politische Korrektheit
  • Pressefreiheit
  • Propaganda
  • Psychopathie
  • Reflexion (Philosophie)
  • Rhetorik
  • Sophismus (Rhetorik)
  • Sprachmanipulation
  • Sprachpolitik
  • Streich
  • Strohmann-Argument
  • Suggestion
  • Verkaufsgespräch
  • Verkaufspsychologie
  • Zaubermanipulation
  • Zensur

Literatur


  • Hellmuth Benesch, Walther Schmandt. Manipulation und wie man ihr entkommt. Frankfurt am Main. Fischer-Taschenbuch-Verlag. [Ohne Jahr]. ISBN 3-596-23310-0.
  • Edward Bernays: Propaganda. Horace Liveright, New York 1928. Neuauflage: Ig Publishing, Brooklyn N.Y. 2005, ISBN 0-9703125-9-8. (Deutsch von Patrick Schnur, orange-press, Freiburg i. Br. 2007, deutsche Erstausgabe, ISBN 978-3-936086-35-5).
  • Gerhard Bliersbach. „Schön, daß Sie hier sind!“ Die heimlichen Botschaften der TV-Unterhaltung. Weinheim. Beltz. [Ohne Jahr]. ISBN 3-407-30529-X.
  • Erich Brendl. Clever manipulieren. Die Kunst, sich geschickt und erfolgreich durchzusetzen (2.). [Ohne Ort]. Gabler. [Ohne Jahr]. ISBN 3-409-21716-9.
  • Noam Chomsky. Media Control. Wie Medien uns manipulieren. [Ohne Ort]. Europa Verlag Hamburg. [Ohne Jahr]. ISBN 3-203-76015-0.
  • Robert B. Cialdini. Die Psychologie des Überzeugens (5.). [Ohne Ort]. Verlag Hans Huber. [Ohne Jahr]. ISBN 978-3-456-84478-7.
  • A. Edmüller, T. Wilhelm. Manipulationstechniken, Erkennen und abwehren (3.). [Ohne Ort]. Rudolf Haufe Verlag. [Ohne Jahr]. ISBN 3-448-04963-8.
  • Noah J. Goldstein, Steve J. Martin, Robert B. Cialdini. YES! 50 Scientifically Proven Ways to Be Persuasive. [Ohne Ort]. Free Press. [Ohne Jahr]. ISBN 978-1-4165-7096-7.
  • Robert Greene. Power. Die 48 Gesetze der Macht. [Ohne Ort]. dtv. [Ohne Jahr]. ISBN 3-423-36248-0.
  • Claudia Grötzebach. Vorsicht! Manipulation. Berlin. Cornelson Verlag. [Ohne Jahr]. ISBN 978-3-589-23401-1.
  • Josef Kirschner. Manipulieren, aber richtig. [Ohne Ort]. Droemer Knaur. [Ohne Jahr]. ISBN 3-426-82295-4.
  • Lydia Lange. Einfluss durch Täuschung. Herbolzheim. Centaurus-Verlag. [Ohne Jahr]. ISBN 3-8255-0630-4.
  • Rupert Lay. Wie man sich Feinde schafft. [Ohne Ort]. Econ Verlag. [Ohne Jahr]. ISBN 3-430-15938-5.
  • H. Ryborz. Die Kunst zu überzeugen. [Ohne Ort]. Goldmann Verlag. [Ohne Jahr]. ISBN 3-442-10963-9.
  • Vance Oakley Packard. Die geheimen Verführer. Der Griff nach dem Unbewussten in Jedermann. Düsseldorf. ECON-Verlag. [Ohne Jahr]. ISBN 3-430-17325-6.
  • Rainer Sachse. Wie manipuliere ich meinen Partner – aber richtig. [Ohne Ort]. Klett-Cotta. [Ohne Jahr]. ISBN 978-3-608-94478-5.
  • Hans-Otto Schenk: Psychologie im Handel. Entscheidungsgrundlagen für das Handelsmarketing. 2. Auflage. Oldenbourg-Verlag, München-Wien 2007, ISBN 978-3-486-58379-3.
  • Arthur Schopenhauer. Eristische Dialektik oder Die Kunst, Recht zu behalten. In 38 Kunstgriffen dargestellt. [Ohne Ort]. Haffmans Verlag. [Ohne Jahr]. ISBN 3-458-33358-4.
  • Stefan Strecker. Muster der Verführung. [Ohne Ort]. seros. [Ohne Jahr]. ISBN 3-8311-0183-3.
  • Johannes Wiele. Führungskunst und Manipulation. In: Führungspraxis und Führungskultur, Hrsg.: Lutz Becker, Johannes Ehrhardt, Walter Gora. [Ohne Ort]. Symposion. [Ohne Jahr]. ISBN 978-3-936608-96-0.
  • Benedikt Ahlfeld. Manipulations-Methoden: Erfolgreiche Gesprächsführung, Mittel der Rhetorik und Schutz vor gezielter Beeinflussung. [Ohne Ort]. SuccessBooks. [Ohne Jahr]. ISBN 978-3-8482-0207-2.
  • Simon Wolf: Manipulative Techniken. In: Gert Ueding (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Band 10. WBG, Darmstadt, 2011, Sp. 632–649.

Weblinks


Einzelnachweise


1 Titel=Manipulation |Sammelwerk=Brockhaus Conversations-Lexikon |Band=3 |Verlag=Im Kunst- und Industrie-Comptoir |Ort=Amsterdam/Leipzig |Datum=1809 |Seiten=53 |Online=http://www.zeno.org/Brockhaus-1809/A/Die+Manipulation?hl=manipulation zeno.org
2 Titel=Manipulation |Sammelwerk=Meyers Großes Konversations-Lexikon |Band=13 |Verlag=Bibliographisches Institut |Ort=Leipzig/Wien |Datum=1908 |Seiten=227 |Online=http://www.zeno.org/Meyers-1905/A/Manipulation?hl=manipulation zeno.org
3 http://www.kruenitz1.uni-trier.de/ Kruenitz: Manipulation, Universität Trier
4 Titel=Das deutsche Wörterbuch |Verlag=Knaur |Datum=1985 |Seiten=643
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Manipulation

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